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19. November 2008 18:29


DFB blamiert sich im Internet


Jens Weinreich (Bild: jensweinreich.de)
 
Ein Streit zwischen dem Sportjournalisten Jens Weinreich und dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger offenbart eine erschreckende Unkenntnis des Internets bei dem obersten Fußball-Hirten und seinem Verband.

Alles nahm seinen Anfang, als der Sportjournalist Jens Weinreich Ende Juli 2008 DFB-Präsident Zwanziger in einem Kommentar zu einem Beitrag des Fußball-Blogs direkter-freistoss.de als einen "unglaublichen Demagogen" bezeichnete.

Zwanziger sah sich durch die Bezeichnung verunglimpft, da der Begriff seiner Meinung nach eine Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut suggeriere. Er forderte eine Unterlassungserklärung, in der sich Weinreich verpflichten sollte, nie wieder eine derartige Formulierung in Bezug auf Zwanziger zu verwenden.
 


Theo Zwanziger (Bild: DFB)
 
Weinreich, ehemaliger Sportchef der "Berliner Zeitung", weigerte sich.

In der Folge bemühte sich Zwanziger sowohl beim Berliner Landgericht als auch eine Instanz höher beim Kammergericht vergeblich um eine einstweilige Verfügung gegen Weinreich. Beide Kammern wiesen die Anträge ab, da sie den Begriff Demagoge als eine "zulässige Meinungsäußerung" einstuften.

Weil Zwanziger sich dennoch weiterhin im Recht sah, bereitete er eine Unterlassungsklage gegen Weinreich vor dem Koblenzer Landgericht vor. Den Wechsel des Gerichtsstandes von Berlin nach Koblenz, obwohl dort keine der beiden Parteien ihren Arbeits- oder Wohnsitz hat, begründeten Zwanzigers Anwälte damit, dass Internettexte auch in Koblenz abrufbar seien.

Mittlerweile war der Fall in der deutschen Internetszene zu trauriger Berühmtheit gelangt und als sich immer mehr Blogger darüber wunderten, warum Zwanziger nun ausgerechnet in der Stadt, in der er jahrelang Richter und Regierungspräsident gewesen war, prozessieren wollte, machte der DFB eine Kehrtwende.
 

"Zanziger-Diffamierung missbilligt"
Das DFB-Präsidium stellt sich hinter seinen Vorsitzenden. (Bild: stefan-niggemeier.de)

 
Statt Jens Weinreich wegen angeblich diffamierender Äußerungen zu verklagen, beschloss der Deutsche Fußball Bund, den Journalisten selbst in einer Presseerklärung anzugehen. Am 14. November verschickte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach eine Pressemitteilung an zahlreiche Sportfunktionäre, Politiker und Journalisten, "die ein Thema behandelt, das in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben ist, trotzdem aus Sicht des DFB-Präsidiums und auch der Geschäftsführung große Bedeutung besitzt. Festgehalten ist, dass wir es auch nicht in - mehr oder weniger anonymen - Internetblogs hinnehmen können, dass Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens grundlos diffamiert werden. Betroffen im konkreten Fall war unser DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, morgen aber kann dies schon wieder jemand anderes sein."

In der Pressemitteilung wird nicht mit einem Wort erwähnt, dass zwei Gerichte Zwanzigers Ansinnen abgewiesen hatten. Außerdem wird suggeriert, dass eine Entschuldigung Weinreichs der Grund sei, weshalb Zwanziger seine Klage vor dem Koblenzer Landgericht zurückgezogen habe. Da es eine derartige Entschuldigung nicht gab, scheint tatsächlich der von der Blogosphäre ausgeübte öffentliche Druck Zwanziger zum Rückzug bewogen zu haben.

Besonders unverständlich ist zudem, weshalb Wolfgang Niersbach behauptet, Weinreich habe Zwanziger in "mehr oder weniger anonymen Internetblogs" angegriffen. Sowohl das Blog direkter-freistoss.de als auch Weinreichs privates Blog weisen ein ordentliches Impressum auf. Zudem verlinkt Weinreichs Benutzeraccount bei direkter-freistoss.de auf sein Blog jensweinreich.de. Die vom DFB angemahnte Anonymität war also nie gegeben.
 

XONIO meint:
Blogs sind böse, anonym und, naja, nervig. Scheint man zumindest beim DFB zu glauben. "Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer", hat Theo Zwanziger letzthin gesagt. Kommunikationsherrschaft gibt es halt nicht in dieser Ansammlung von Röhren, die das Internet ausmachen, möchte man ihm zutwittern. (cel)


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